Vergleich
Zeiterfassung-App für Freelancer kostenlos: ehrlicher Vergleich
Welche Gratis-Tools wirklich für Solo-Selbstständige reichen, wo die Grenzen liegen und wann sich ein Wechsel lohnt.
Kurz gefasst
Für Freelancer reichen kostenlose Zeiterfassung-Apps wie Toggl Track, Clockify oder Harvest in der Free-Version meist aus. Clockify deckt unbegrenzte Projekte und Nutzer ab, Toggl punktet bei Bedienung, Harvest erlaubt nur ein Projekt gratis. Excel bleibt eine Notlösung ohne automatisches Tracking.
Wer als Freelancer pro Stunde abrechnet, braucht eine zuverlässige Zeiterfassung. Vergessene 20 Minuten pro Tag summieren sich bei einem Stundensatz von 90 Euro auf rund 6.000 Euro Jahresverlust. Die gute Nachricht: Für die meisten Solo-Selbstständigen reicht eine kostenlose App völlig aus. Die schlechte: Die Gratis-Pläne unterscheiden sich deutlich, und einige Anbieter beschränken genau die Funktionen, die du als Freelancer wirklich brauchst.
Welche Funktionen Freelancer wirklich brauchen
Eine brauchbare Zeiterfassung-App muss vier Dinge können: Timer starten, Projekte trennen, Stunden exportieren und Stundensätze hinterlegen. Alles darüber hinaus ist Komfort, aber kein Muss.
Das Tracking selbst sollte mit einem Klick beginnen und ohne Reibung pausieren. Wenn du zwischen drei Kundenprojekten am Tag wechselst, brauchst du eine Oberfläche, die das in zwei Sekunden erlaubt, sonst trackst du irgendwann gar nicht mehr. Eine mobile App ist Pflicht, weil Telefonate mit Kunden oder unterwegs am Notebook fast täglich vorkommen.
Der Export ist der zweite Knackpunkt. Du musst die erfassten Stunden am Monatsende in eine Rechnung übertragen können, idealerweise als CSV oder PDF, gefiltert nach Kunde und Zeitraum. Wer hier manuell abtippen muss, verliert pro Rechnung 15 bis 30 Minuten. Stundensätze pro Projekt sind nützlich, wenn du verschiedene Kunden mit unterschiedlichen Sätzen abrechnest, was bei freien Entwicklern, Designern oder Beratern eher die Regel als die Ausnahme ist. Wer die Stundensätze gar nicht erst sauber kalkuliert hat, sollte vorher den Stundensatz für Freelancer berechnen.
Die drei großen kostenlosen Apps im Vergleich
Clockify, Toggl Track und Harvest dominieren den Markt für kostenlose Zeiterfassung. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie großzügig der Gratis-Plan tatsächlich ist.
Clockify gilt als das großzügigste Tool. Der kostenlose Plan erlaubt unbegrenzt viele Projekte, unbegrenzt viele Nutzer und unbegrenzt viele Tracking-Einträge. Du kannst Stundensätze hinterlegen, Berichte als CSV oder PDF exportieren und die App auf Windows, macOS, iOS und Android nutzen. Premium-Funktionen wie automatisches Tracking oder GPS-Standorterfassung kosten ab etwa 4 USD pro Monat, sind für Solo-Freelancer aber selten nötig.
Toggl Track punktet bei der Bedienung. Der Timer startet schnell, die Oberfläche ist aufgeräumt, und der Free-Plan deckt bis zu fünf Nutzer ab. Allerdings sind abrechenbare Stundensätze, geplante Berichte und Projektbudgets der Bezahlversion vorbehalten, die mit rund 9 Euro pro Nutzer und Monat startet. Wer nur Stunden tracken und exportieren will, kommt mit der Free-Version sehr weit.
Harvest ist die strengste der drei. Gratis sind nur ein Nutzer und maximal zwei aktive Projekte. Für Freelancer mit drei oder mehr parallelen Kunden ist das schnell zu eng. Sobald du wächst, kostet Harvest 12 USD pro Monat. Dafür bekommst du eine sehr saubere Anbindung an Rechnungsstellung und Zahlungsabwicklung, was für manche Freelancer den Aufpreis rechtfertigt. Eine breitere Übersicht inklusive bezahlter Optionen findest du im Zeiterfassungs-Software-Vergleich.
Excel als Alternative: wann das reicht, wann nicht
Eine Excel- oder Google-Tabelle ist die einfachste Form der Zeiterfassung und kostet nichts. Für Freelancer mit wenigen Projekten und festen Tagesroutinen funktioniert sie, hat aber klare Grenzen.
Eine Tabelle mit den Spalten Datum, Kunde, Projekt, Tätigkeit, Start, Ende und Dauer reicht, um Stunden sauber zu dokumentieren. Mit Formeln summierst du Stunden pro Kunde, pro Monat oder pro Tätigkeitstyp. Vorteil: volle Kontrolle, keine Cloud, keine Abhängigkeit von einem Anbieter, kein DSGVO-Risiko durch externe Datenverarbeitung.
Der Nachteil ist die Disziplin. Du musst jeden Eintrag manuell schreiben, und genau das vergessen viele am Ende eines hektischen Tages. Studien zur Selbstdokumentation zeigen, dass nachträglich erfasste Zeiten regelmäßig 10 bis 20 Prozent unter den tatsächlich geleisteten liegen. Bei einem Jahresumsatz von 80.000 Euro wären das zwischen 8.000 und 16.000 Euro entgangener Umsatz, allein durch ungenaue Erfassung. Wer mehrere Kundenprojekte parallel betreibt oder regelmäßig zwischen Aufgaben wechselt, fährt mit einer App mit Timer fast immer besser. Excel bleibt sinnvoll für sehr kleine Pauschalprojekte oder als reine Backup-Dokumentation.
Einschränkungen kostenloser Pläne, die niemand erwähnt
Gratis-Versionen sind oft genug zum Arbeiten, aber sie enthalten Beschränkungen, die erst nach Monaten auffallen. Die wichtigsten betreffen Berichte, Integrationen und den Datenexport bei einem späteren Wechsel.
Bei Toggl Track ist die Berichtshistorie unbegrenzt, aber automatische Auswertungen oder das Versenden geplanter Reports an Kunden setzt einen Bezahlplan voraus. Clockify lässt sich umfangreich exportieren, schränkt aber die Anzahl gespeicherter Berichtsvorlagen ein. Harvest macht die Rechnungsstellung nur in der Bezahlversion komfortabel.
Ein zweiter Punkt sind Integrationen. Verknüpfungen mit Buchhaltungssoftware wie Lexware Office, sevDesk oder FastBill sind teilweise auf zahlende Nutzer beschränkt. Wer seine Stunden direkt in eine Rechnung übernehmen will, sollte vor der Wahl prüfen, ob die gewünschte Schnittstelle im Free-Tier funktioniert. Das spart später Doppelarbeit beim Übertragen. Mehr dazu im Leitfaden zur Projektabrechnung für Freelancer.
Drittens: Datenschutz. Die meisten Anbieter hosten in den USA oder bieten EU-Server nur in Bezahlplänen an. Für Freelancer, die mit Kundendaten in den Projektnotizen arbeiten, ist das relevant. Schreibe in die Tracking-Beschreibung niemals Klarnamen oder vertrauliche Inhalte, sondern nur Projekt-Codes oder Tätigkeitskürzel.
Wann sich der Wechsel auf einen Bezahlplan lohnt
Sobald du mehr als 30 Stunden pro Woche trackst und drei oder mehr Kunden parallel betreust, rechnet sich ein Bezahlplan oft innerhalb weniger Wochen. Die Kosten von 5 bis 12 Euro pro Monat sind durch eine einzige zusätzlich korrekt erfasste Stunde gedeckt.
Konkrete Anlässe für den Wechsel: Du brauchst automatische Erinnerungen, wenn du den Timer vergessen hast. Du willst Berichte direkt an Kunden mailen, statt sie manuell zu exportieren. Du musst Stundensätze pro Projekt sauber abbilden, weil du Mischkalkulationen fährst. Oder du arbeitest mit Subunternehmern und brauchst rollenbasierte Rechte.
Ein typisches Szenario: Ein Freelancer mit fünf aktiven Kunden, der monatlich zwölf bis fünfzehn Rechnungen schreibt, spart durch saubere Integration zwischen Zeiterfassung und Rechnungstool rund zwei Stunden pro Woche. Bei einem Stundensatz von 80 Euro sind das 640 Euro Gegenwert pro Monat gegen rund 10 Euro Tool-Kosten. Wer ernsthaft prüfen will, welche Lösung langfristig passt, findet eine ausführliche Gegenüberstellung in unserer Übersicht zur Zeiterfassungs-Software für Freelancer.
Keine Kreditkarte nötig.
Checkliste
- Unbegrenzte Projekte im Gratis-Plan
- Mobile App für iOS und Android
- CSV- oder PDF-Export der Stunden
- Manuelle Nachträge möglich
- Stundensätze pro Projekt hinterlegbar
- Offline-Tracking verfügbar
- Datenschutz nach DSGVO geklärt
- Export für Rechnungsstellung nutzbar
Häufige Fragen
Was ist die beste Zeiterfassungs-App kostenlos?
Für Freelancer gilt Clockify als großzügigstes Gratis-Tool, weil es unbegrenzte Projekte, Nutzer und Tracking-Einträge erlaubt. Toggl Track ist in der Bedienung schneller, beschränkt aber Funktionen wie Abrechnungssätze auf bezahlte Pläne. Harvest ist gratis nur für eine Person mit zwei Projekten nutzbar.
Wie kann ich als Freiberufler meine Arbeitsstunden erfassen?
Am einfachsten per Timer-App auf dem Rechner oder Smartphone, die Start und Stopp pro Projekt speichert. Alternativ funktioniert eine Excel-Tabelle mit Datum, Projekt, Dauer und Beschreibung. Wichtig ist, dass die Erfassung lückenlos und nach Projekt oder Kunde gegliedert ist, damit die Daten direkt in die Rechnung übernommen werden können.
Welche kostenlosen Tools zur Arbeitszeiterfassung gibt es?
Verbreitet sind Clockify, Toggl Track und Harvest mit kostenlosen Einstiegsplänen. Dazu kommen Open-Source-Lösungen wie Kimai, die selbst gehostet werden können. Excel- oder Google-Tabellen sind kostenlos, erfordern aber manuelle Pflege.
Welche Mitarbeiter brauchen keine Zeiterfassung?
Nach deutschem Arbeitsrecht müssen Arbeitgeber seit dem BAG-Urteil von 2022 die Arbeitszeit grundsätzlich aller Arbeitnehmer erfassen. Freelancer als Selbstständige fallen nicht darunter, sie erfassen Stunden freiwillig zur Abrechnung. Leitende Angestellte im Sinne des §5 Abs. 3 BetrVG sind teilweise ausgenommen.
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Kostenlos startenZuletzt aktualisiert: 3. Juni 2026